Meine Geschichte des Führungsforums beginnt vor 14 Jahren auf der Freusburg. Damals beging der DPV seinen 20. Geburtstag und das Forum war der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Drei Tage lang stand das Thema „Führen" im Mittelpunkt von Vorträgen, Aktionen und Podiumsdiskussionen. Ich war gerade 17 und mir hatten es die bündischen Themen besonders angetan. So besuchte ich „Führer und Führungsprobleme der Weimarer Zeit" bei Heigru, „Führung ohne Pädagogen" bei Siddha, „Bündisches Führen" bei Frieder, „die Aspekte bündischer Prägung" bei Norbert Schwarte und „Zeitwende-Wertwende" bei Eddy. Sonntags waren die bündischen Themen leider nicht mehr im Programm, so dass ich notgedrungen ausweichen musste auf „Erfolgreiche Führung beginnt bei mir selbst" bei Oliver. Damals wie heute gab es ein breit gefächertes Themenspektrum rund ums Führen. Angesichts meines damaligen Alters und meiner Themenauswahl stieß ich teilweise an die Grenzen meiner intellektuellen Fähigkeiten. Selber Schuld! Aber es blieb der Eindruck, dass da noch etwas mehr ist als nur auf Fahrt zu gehen oder mit dem Stamm Lager und Heimabende zu veranstalten. Teilweise hatte ich es dort kennen gelernt und eine Ahnung davon bekommen, wohin pfadfinderisches und bündisches Leben führen kann. Diese Erkenntnisse und Ahnungen machten in der Folgezeit viel von meiner persönlichen Motivation aus. Gerne hätte ich zwischendurch noch einmal da angesetzt, wo ich 1990 notgedrungen stehen bleiben musste. Ein zweites Führungsforum ließ jedoch auf sich warten. 1996 bot unser Bund eine gleichnamige Veranstaltung auf der Wasserburg Wülmersen an. Die war alles in allem nicht schlecht, hätte sich aber besser einen anderen Titel gegeben, weil sie bei weiten nicht den Anspruch des Führungsforums von 1990 hatte und auch das Niveau nicht erreichen konnte. Ganz ähnlich erging es mir mit „tripleX", 2000. Auch hier hatte ich mir intellektuelle Herausforderungen versprochen, bin erwartungsfroh hingefahren und war - weil ich das Falsche erwartete - am Ende ziemlich enttäuscht. Ich bekam mit der Zeit den Eindruck, dass Erich Kästner völlig Recht hat, wenn er sagt: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" Es blieb letztlich nur, ein neues Forum selbst in die Hand zu nehmen. Das würde nicht leicht werden, zumal dann, wenn man die Vorgänge von 1990 nicht einfach kopieren wollte. Auf einer Sitzung der Bundesführung unseres Bundes im Herbst 2002 fiel die Entscheidung, noch einmal so ein Forum anzupacken. Bis 2004 schien es lange hin und motiviert dazu war ich ohnehin. Auf einer meiner langen Fahrten zur Arbeit dudelte dann zum zehntausendsten Mal „und der Mensch ist Mensch..." von Herbert Grönemeyer. Da dachte ich, dass wäre ein tolles Thema für das Forum. Mal den Blick weg von der Gruppe auf das Individuum richten, auf FührerIn und Geführte. Auch ein erfahrenes und hochkarätig besetztes Team konnte ich mit Ulli, Caspi, Joschi, Oliver und Toni schnell gewinnen. Zum Jahreswechsel 2002/2003 fand das erste Teamtreffen statt. Dort fiel uns auch gleich die „Studie des Vitruv" von Leonardo da Vinci als zugkräftiges Logo ein. Darüber hinaus gab es viel zu tun. Themenlisten wurden erstellt, Verhandlungen mit dem Ludwigstein und anderen Tagungsorten geführt, potentielle ReferentInnen angesprochen, Verantwortliche für die Küche und ein Café gesucht ... Samstags wird das Forum in der Morgenrunde offiziell eröffnet. Weil unser Team so gut funktioniert, habe ich Zeit mir einige Themen anzuschauen. Im Gegensatz zum ersten Forum wähle ich diesmal nicht die bündischen Themen und lerne erst einmal ganz praktisch bei Hans Karberg das Feuermachen ohne Feuerzeug. Der hatte sein Thema mit viel Liebe zum Detail vorbereitet und seine begleitenden Worte dazu machten noch einmal deutlich, welche Rolle das Feuer für uns einnimmt und worauf man als FührerIn achten sollte. Anschließend halte ich mein eigenes Thema. Es heißt: „und außerdem aßen wir Würmer ..." Es handelt von der Veränderung des Milieus und der Erlebniswelten von Kindern und Jugendlichen im Sinne einer fortschreitenden Reglementierung und Absicherung auf Kosten des Verlustes von Erlebnis und Freiheit. Grundlage war der Text einer Zeitungsannonce von Peter Millowitsch, der die These vertrat, die Erlebniswelt von Kindern und Jugendlichen habe sich seit Mitte der 80er Jahre im vorgenannten Sinne verändert. Dem stimme ich im Wesentlichen zu und will durch mein Thema Anregungen zur ‚Befreiung‘ und mehr echtem Erlebnis geben. Schön war, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer überwiegend junge Stammesführerinnen und Stammesführer waren, mit denen man dieses Thema sehr angeregt diskutieren konnte. Auch hatte ich das Gefühl, dass meine Anregungen hier auf fruchtbaren Boden fielen. Dann kommt die Abschlussrunde. Die Führerschaft des DPV verstreut sich in alle Winde. Die Stimmung ist toll. Die Frage ist jedoch: Zieht das Forum Kreise und wann machen wir an dieser Stelle, wo wir aufgehört haben, weiter?

Dirk Oberhäuser (Obi)
Deutscher Pfadfinderbund Mosaik