pfadikratieDer Einladung des Pfadfinderbundes Mecklenburg-Vorpommern folgend trafen sich zu Pfingsten 2002 nahezu 3.000 PfadfinderInnen aus dem gesamten Bundesgebiet in Glashagen. Das Lagermotto „Nur wer selber mitbestimmt ist ein Teil vom Ganzen“ zielte auf die demokratische Beteiligung ab und wurde vielfältig im Programm umgesetzt, ob nun bei einer Podiumsdiskussion mit fiktiven Parteien oder den teilweise unorthodoxen Bürgermeisterwahlen in den Unterlagern.pfadikratie_Logo_Motto_Halstuch2Neben den folgenden Berichten wurde die Veranstaltung auch auf Film festgehalten, der als SVCD in der Geschäftsstelle des DPV erhältlich ist.

 

 


von Prof. Dr.Wolfgang Methling

Gedanken des Landesumweltministers von Mecklenburg-Vorpommern festgehalten auf dem Film zum Lager.

„Ich fahre mit sehr guten Eindrücken zurück zu mir nach Hause bzw. ins nächste Pfingstlager auch von jungen Leuten. Ich bin sehr beeindruckt, dass so viele junge Menschen, 3.000 habe ich gehört, hier in Mecklenburg-Vorpommern zusammengekommen sind, an diesem Pfingstsonnabend, um sich in die Gesellschaft einzubringen. ‚Pfadikratie‘ diskutieren Sie, Demokratie und Toleranz in der Gesellschaft. Engagement für andere, sich einbringen in die Zukunftsgestaltung. Das hat man sehr selten, dass sich junge Leute treffen – gleich zu tausenden – oftmals gehen Sie nur zu Konzerten von Rockbands. Ich finde, das ist eine Alternative, die man durchaus pflegen muss.

Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass das, was man hier tut, dazu dient, dass jedeR das Leben besser bewältigt, dass er sich einbringt, dass er eigenverantwortlich handelt und gestaltet. Parteiunabhängig, aber ich denke doch stark politisch engagiert, wenn ich die Losungen sehe, die auf der Leine hängen. Das sind Losungen für Frieden, für Toleranz in der Gesellschaft, gegen Rassismus, gegen Ausländerhass, gegen Krieg.

Die meisten Losungen waren also der Wunsch nach Frieden. Ich glaube, das ist sehr politisch und sehr menschlich und deswegen bin ich sehr froh, dass eine solche Organisation wie der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern Gastgeber ist für so viele junge Leute aus dem Bundesgebiet. Ich würde mich freuen, wenn dieses nicht einmalig wäre und vielleicht kann ja auch die Politik ein wenig dazu beitragen, dass ein solches Treffen unterstützt wird.“

 

 


 

Von der Selbstlosigkeit eines einzelnen Menschen, der jede Mühe auf sich nimmt, eine Heimstatt für Viele zu schaffen.

Es war einmal in Glashagen. Der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern hatte die Bünde des DPV eingeladen, an seinem Bundeszentrum ein gemeinsames Pfingstlager durchzuführen. Gemeinsam wurde mit den Planungen zu dem großen Lager begonnen, nach und nach wurden jedoch immer mehr Steine in den Weg gerollt … An dieser Stelle möchte ich euch mit jemandem bekannt machen: Dies ist unser Bauer, von dem wir das Gelände für unsere Kohten und Jurten für das Pfadikratie-Lager hatten: Herr Ruhtz (in vielen Schulungen haben wir ja gelernt, dass es immer ein Bauer ist, von dem wir einen Kohtenplatz erhalten). Herr Ruhtz lebt in Glashagen und leitet im Nachbarort einen Agrarbetrieb, der jede Menge Land zu verwalten und bestellen hat. Quasi alles Land, was um Glashagen, Wittenhagen und Abtshagen außer den Wäldern so vorhanden ist. Und Herr Ruhtz mag die Pfadfinder. Und er findet es toll, wie sie sich um den Erhalt und den Aufbau des alten, in die Jahre gekommenen Gutshauses kümmern.

Da Herr Ruhtz des öfteren zu Gast bei den PfadfinderInnen im Gutshaus war, hat er bei einer dieser Gelegenheiten mitbekommen, dass der DPV zu Pfingsten auch nach Glashagen kommt und er hat gesagt, dass das mit dem Zeltgelände schon klappen wird. Soweit so gut! Doch der ‚böse König‘ zauberte einen großen Stein nach dem anderen auf den Weg nach Glashagen … Da passierte, wovon man nur träumen kann: Unser Bauer schaltete sich ein. Lagerplatz zu klein? Kein Problem, gibt es halt einen größeren; 27 Hektar hatten wir auf einmal zur Verfügung (= 27 x 10.000 qm!) Und da dürfte doch alles drauf möglich sein! Keinen Weg zum Feld? Dann machen wir einen. Habt ihr keinen Traktor, dann kriegt ihr einen von mir. Auch einen Hänger braucht ihr – zwei sind sicher besser (waren sie auch!) Doch das Märchen geht weiter. Einen Abwasserteich müsst ihr bauen. Den mache ich mal besser, dann könnt ihr mir meine Drainage auch nicht beschädigen. Und so kam der Bagger mit dem Baggerführer und baggerte.

Ein Platz für die Abwassertanks auf einem anderen Feld neben der Straße war auch schnell gefunden. So gäbe es noch eine lange Liste weiterer Wohltaten unseres Bauern zu berichten. Aber nicht, dass hier eine oder einer das Falsche denkt: wir haben keinen Cent für die Nutzung zahlen müssen – so gerne hatte Herr Ruhtz die PfadfinderInnen aus Glashagen und nun auch alle vom DPV. Manchmal fragt er sogar nach einigen von uns. Bis heute wird er nicht müde, das Wirken der PfadfinderInnen in Glashagen zu unterstützen, zuletzt damit, dass er sich dafür einsetzte, dass die Straße zum Gutshaus auch geteert wurde und demnächst neben dem Gutshaus ein Gemeindespielplatz gebaut wird. Ein Märchenbauer! Ein Vorbild, wie wir selten jemanden finden. Unser Dank wird ihn immer begleiten. Und wenn er nicht …

Jürgen Simeth
Deutscher Pfadfinderbund Mosaik


Im Sonderzug nach Glashagen

Bei den Vorbereitungen zu „Pfadikratie“ sprach mich schon zu einem frühen Zeitpunkt Klemens an und erklärte mir seinen Wunsch und seine Vorstellungen von einer stilvollen und gemeinsamen Anreise zum Pfingstlager: Züge sollten durch die Republik fahren und alle PfadfinderInnen an zentralen Bahnhöfen einsammeln. Das Ziel fast alle „Pfadikratie“- TeilnehmerInnen per Bahn nach Glashagen zu befördern wurde konkret. Schnell waren die Ideen vom Ost- und vom Westzug geboren und harrten ihrer Umsetzung. Woher bekommen wir die Züge? Wird die Anreise für die TeilnehmerInnen bezahlbar? Damit verbrachte Klemens unsagbar viel Vorbereitungszeit und am Ende konnte das Ziel zu einem bezahlbaren Preis erreicht werden. Zwei Züge mit der maximalen Wagonzahl konnten für unser Vorhaben gemietet werden und brachten tatsächlich nahezu alle PfadfinderInnen zum Gutshaus nach Glashagen.

Bei der Einfahrt in die Bahnhöfe gings dann durch alle Lautsprecher: „Es fährt ein, der „Pfadikratiezug“ des Deutschen Pfadfinderverbandes“. Kurz vor jeder Einfahrt ging die „Pfadizei“ – unser eigenes Team von Zugbegleitern – durch die Wagons und sorgte dafür, dass für die am Bahnhof Wartenden genug Platz in den Abteilen war. Den einen oder die andere musste man dazu aus den Träumen reißen und in das vorgesehene Abteil zurückschicken. Sobald der Zug dann zum Halten kam, stiegen 15 PfadfinderInnen in „Pfadizeiuniform“ aus dem Zug und lotsten die jubelnde Menge in die richtigen Wagons und nach Abfahrt an die vorgesehenen Plätze. Im Spieleabteil konnten dann Brettspiele entliehen werden und das Bistroabteil sorgte für das eine oder andre Zusatzwohl. Auf der Fahrt durch die Republik legten sich aber viele auch gleich aufs Ohr.

Andere wiederum holten ihre Gitarren hervor und sangen und spielten, bis auch sie der Schlaf übermannte. Unsere beiden Schaffner und ein paar Ältere hatten währenddessen die Hände voll damit zu tun, die Übermütigen davon abzubringen, ihre Köpfe all zu weit in den Fahrtwind ragen zu lassen. Zu groß war dann doch für den einen oder anderen die Begeisterung, in einem Zug unterwegs zu sein, voller PfadfinderInnen. Den Bahnhof Wittenhagen – unser Aussteigebahnhof – hatte die Bahn in Erwartung des zu erwartenden Andranges von nahezu 3.000 PfadfinderInnen extra säubern und ordentliche Müllbehälter anbringen lassen. So wirkte das verfallene und verwucherte Areal etwas freundlicher. Aus Sicherheitsgründen wurde sogar ein Team der Bahnpolizei zu den Ankunftszeiten abgeordnet. Die Beamten waren begeistert, wie wir mit unseren HelferInnen das Aussteigen organisierten. Während des Lagers stellte sich in den abendlichen Teambesprechungen dann heraus, dass wir für das Einsteigen bei der Rückfahrt noch nicht gut vorbereitet waren. Die Abreiseorganisation wurde damit zu einer der wichtigsten Planungsaufgaben auf dem Lager selbst. Spießer, der das Lager eigentlich nur besuchen und mit vielen Leuten erzählen wollte, erklärte sich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Er stellte umgehend einen Planungsstab zusammen um die ‚Menschenmassen‘ an dem viel zu kleinen, eingleisigen Haltepunkt Wittenhagen zeitgerecht in die Züge zu bekommen. Die Bahn ließ dafür zwischen Ankunft und Weiterfahrt der jeweiligen Züge lediglich fünfzehn Minuten zu. Die Züge würden zwingend nach der vorgesehenen Haltedauer weiterfahren. Dies hatten die Bahnverantwortlichen vorher klar und deutlich vorgegeben.

Ein schier unmögliches Vorhaben, hatte es beim Ausstieg doch über eine halbe Stunde gedauert, bis die letzten PfadfinderInnen auf dem Weg zum Lagerplatz waren! Das Hauptproblem stellte unser sperriges Gepäck und die Tatsache dar, dass sich niemand vertun durfte, alle mussten den Wagon kennen, die Einstiegstür, das Abteil. Die engen Türen und Gänge ließen keine Zeit für Staus oder ein Stocken, alle mussten in den Zug rein, niemand durfte zurückbleiben. Die, die dabei gewesen sind, werden sich an die minutiöse Planung und die detaillierten Anweisungen von Spießer und seinem Team erinnern: Bereits in der Nacht wurden die letzten Vorbereitungen am Bahnhof getroffen: Gleise absperren, Wagonlängen abmessen, Standorte der Lotsen festlegen … Weiterhin Verteilen von Schildern und Informationen an die 70 fleißigen HelferInnen von Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern und Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord.

Und dann das gespann-te Warten im Morgennebel auf die ersten müden PfadfinderInnen. Von nun an verlief alles wie von Geisterhand, alle kannten tatsächlich ihre Wagonnummer und fanden auch den vorgesehenen Platz am Bahnhof. Pünktlich und ohne Zwischenfälle harrten 1.200 PfadfinderInnen einstiegsbereit aus. Dann die Katastrophenmeldung: Unsere Lok hat einen Motorschaden, steht unbeweglich im anderen Bahnhof! Minuten später raste mit einem höllischen Getöse eine einzelne Ersatzlok aus dem Nebel kommend an uns vorbei und verschwand sogleich wieder. Dann endlich: drei Lichter tauchen auf, ein 412 m langer Zug fährt langsam in unseren viel zu kurzen Bahnhof ein. „Halt, zu weit, noch ein Stück zurück …“ und der Zug steht auf Position. Auch weiter vorne, in den Feldern, dort wo die Lok nur noch zu erahnen war, warteten die PfadfinderInnen. Jetzt ging es endlich los: Türen auf, dann Einsteigen in aller Ruhe. Ein beeindruckendes Bild, wie jede einzelne Aktion zeitgleich von einer Schar von eingeteilten HelferInnen durchgeführt wurde und dann alle PfadfinderInnen ohne Schwierigkeiten in ihr richtiges Zugabteil gelotst wurden. Wagon für Wagon schlossen sich die Türen, kam das verabredete Zeichen.

Der Zug war abfahrtbereit. Die angestrebte Zeitvorgabe von Spießers Team war zwölf Minuten. Nach nur neun Minuten waren über 1.200 PfadfinderInnen an ihren vorgesehenen Plätzen und der Zug konnte nach nur zehn Minuten Haltezeit losfahren. Beim zweiten Zug wurde das Szenario lässig wiederholt und es ging alles noch schneller. So konnte auch dieses Problem für die Lagerleitung erfolgreich gelöst werden, so dass für das Erleben aller TeilnehmerInnen am „Pfadikratie“-Lager auch die Abreise in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Natürlich hatten wir für etwaige Reisebusse Vorbereitungen getroffen und Feldwege zu Einbahnstraßen umgewidmet, damit auch mit Bussen eine problemlose Anreise zum Lager möglich war. Aber es kam kein Einziger! Und das obwohl der Preis der Zuganreise teurer kalkuliert werden musste als der einer Busanreise. Aber alle PfadfinderInnen wollten beim Ost- und beim Westzug-Erlebnis dabei sein. Und es war ein echtes Erlebnis. An dem ökologischen und ökonomischen Erfolg dieses kleinen Wunsches von Klemens konnten auch die etwas über 150 PKW und Bullis nichts ändern, denen wir jedoch das Parken nur in sehr weiter Entfernung vom Lager möglich gemacht haben … Aber diese TeilnehmerInnen hätten wir auch in den Zügen nicht mehr unterbringen können!

Falko Feldchen Pfadfinderschaft
Süddeutschland

Jürgen Simeth
Deutscher Pfadfinderbund Mosaik


Der DPV geht baden – so der Titel einer Aktion, die es am Sonntag einer Auswahl von über 100 PfadfinderInnen ermöglichen sollte, einen Ausflug an die nahe Ostsee zu unternehmen. Eine Station vor Binz steigen wir auf Rügen aus dem Zug. Bevor es an den Strand geht, wird es historisch. Wir befinden uns in Prora. Hier entstand während des Dritten Reiches das längste Gebäude der Welt. Eine gigantische Ferienanlage direkt am Strand, die sogar aus dem All sichtbar sein soll. Sie war jedoch nie komplett in Betrieb. Am Nachmittag war am Strand von Binz ein kleiner Skulpturenpark im Sand entstanden. Wir hatten einen Sandburgenwettbewerb ausgelobt. Mehr als zehn Sandbauwerke waren von einer Jury zu bewerten und die besten BaumeisterInnen zu küren – keine leichte Augabe. Die SiegerInnen wurden mit einem Eis belohnt. Als die Sonne sich senkte ging es wieder zurück zum Lager. Redlich müde von der guten Seeluft konnten wir mit den anderen am Lagerfeuer das Erlebte des Tages austauschen.

Andreas Walter (Buffi)
Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern


Kathleen Holznagel, Auszubildende beim Landkreis Nordvorpommern, hat die Wünsche, die während des „Pfadikratie“-Lagers an der Wunschleine angebracht wurden, ausgewertet:

Im Jahr 2002 trafen sich etwa 3.000 PfadfinderInnen aus ganz Deutschland zu Pfingsten in Glashagen. Die PfadfinderInnen starteten eine Aktion, bei der alle einen Wunsch für die Zukunft aufschreiben und auf eine Leine hängen konnten. Dabei entstanden knapp 600 Wünsche, die dann in eine Holzkiste gepackt wurden und jetzt stehen sie hier neben mir im Büro des Kreistages. Die Kinder und Jugendlichen wünschten sich unter anderem Weltfrieden, keinen Krieg, Toleranz, ein gutes Miteinander, keinen Streit, keine Drogen, Freiheit, mehr Kommunikation, gutes Wetter im Lager, keine Ausländerfeindlichkeit, Freundschaft, Rücksicht auf die Natur, Achtung und Respekt vor jedeM, keine Terroranschläge, mehr Pfadfinderfahrten, saubere Dixies im Lager, schöne Spiele im Lager, keine Vorurteile, keine Tierquälerei, Gleichberechtigung, Bildung für alle, eine stärkere Förderung der Jugend, verantwortungsbewusste Politiker … Einzelne Leute wünschten sich Ehrlichkeit, Verständnis, Senken der Steuern, keine Waffen, Erhalt der Demokratie, eine härtere Bestrafung für Gewaltverbrechen und einen netteren Umgang unter den Leuten.

Es wurden auch Wünsche wie weniger Politik, Legalisierung von weichen Drogen, mehr Randgruppen, keine Grenzen und einige andere genannt. Derjenige, der den Wunsch „Legalisierung von weichen Drogen“ geäußert hat, hätte sich vielleicht vorher damit beschäftigen sollen, denn dann wüsste er, dass nach aktuellem Stand nicht mehr nach harten und weichen Drogen, sondern nach harten und weichen Konsumenten unterschieden wird. Ein weiterer Wunsch, der meiner Meinung nach eher fragwürdig ist, lautet: „Frieden, Freiheit, Anarchie, Viva la Revolution!“ Vielleicht bin ich ja falsch informiert, aber ich weiß nicht, was Frieden mit Anarchie zu tun hat und warum es in Deutschland eine Revolution geben sollte. Aber sonst haben die meisten Leute das Aufschreiben der Wünsche sehr ernst genommen und sie lassen sich unterteilen in: • einige kurze Schlagwörter und • längere Wunschtexte

Beide Varianten sind stark vertreten und einige Sachen heben sich besonders hervor, wie z.B. die Wünsche der Mitglieder des Stammes Zugvögel, Gruppe Wildkatzen, die die Wunschzettel alle bunt bemalt haben. Meistens sind es ganz normale weiße Blätter in Folie, die etwas schmutzig sind und die Kinder schrieben mit Bleistift oder mit Buntstift und oft in schlechter Orthographie. Die meisten Wünsche wirken eher fordernd, aber es gibt auch welche, die etwas gutheißen, z.B.: „Ich finde Pfadfinder klasse, weil man in der Natur etwas machen kann.“ Und viele suchen das friedliche Miteinander und sind interessiert aneinander, denn sie wünschen sich, dass es öfter solche Lager gibt und dass man viele Freunde findet. Auf mich wirkt diese Wunschkiste mit ein paar Ausnahmen sehr kindlich und interessant. Fast alle wollen nur Gutes. Ich frage mich, ob die Erwachsenen, die diese Werte heute nicht mehr vermitteln, auch mal so gedacht haben, als sie noch Kinder waren. Denn, wenn alle nach diesen Wünschen leben würden, müsste die Welt wie ein Paradies sein. Sie müssen aufpassen, dass sie ihre Wünsche nicht vergessen und sie auch leben bzw. weiterleben! Ich muss sagen, ich habe mich am Anfang, als mir diese Aufgabe erteilt wurde, gefragt, wozu das gut sein soll und mich etwas darüber lustig gemacht. Ich sah diese dreckige Kiste auf den sauberen Blättern im Büro des Kreistages, wo ich zur Zeit meine Ausbildung absolviere, stehen und empfand sie als völlig fehl am Platz. Als ob dieses Büro viel zu fein für diese dreckige Kiste sei! Das ist falsch, denn warum sollen wir uns über diese Kinder und Jugendlichen lustig machen? Es ist doch schließlich wichtig, ihre Gedanken und Wünsche zu kennen und es ist gut, dass sie noch so denken. Mit unserer Unaufmerksamkeit und dass wir sie nicht für voll nehmen, wächst ihre spätere Unzufriedenheit. Sie werden sich vielleicht verlassen und unwichtig vorkommen wenn der Staat sie ignoriert. Ich habe gedacht, dass das doch eh nichts bringt, wenn sie mal eben auf einen Zettel schreiben, dass sie Frieden wollen. Aber dass gerade diese Jugendlichen von den Grundwerten sprechen, die wichtig sind und nach denen wir leben sollten, fiel mir erst auf, als ich einige der Blätter gelesen habe. Diese Kinder und Jugendlichen wissen noch, worauf es ankommt, und einige unter ihnen sind wahrscheinlich die wahren Denker. Ich wünsche ihnen alles Gute! Ich finde es gut, dass sie noch keine ‚Egal-Einstellung‘ haben. Sie wollen gehört werden und sind interessiert an der Welt und wollen Gutes für sie. Wir sollten diese Jugendlichen fördern, damit sie diese Einstellung beibehalten und sie anderen vermitteln können. Sie haben mich auch etwas gelehrt und etwas in mir zurückgeholt, das ich fast vergessen habe: „Ich wünsche mir, dass es immer Menschen geben wird, die sich für das Leben und die Rechte anderer Menschen einsetzen, auch wenn dies nicht immer gelingt und dabei nicht aufgeben.“ „Mein Wunsch fängt klein an: Ich wünsche mir, dass man dem Menschen, den man auf der Straße im Zug, auf der Arbeit, im Feld, im Zeltlager, etc. begegnet, anlächelt. Egal ob es der Nachbar, ein Freund oder ein Fremder ist. Überall auf der Welt.“ „Ich wünsche mir, dass alle Menschen für eine bestimmte Zeit lang blind sind, damit sie lernen mit dem Herzen zu sehen.“ „Ich wünsche mir, dass durch die Pfadfinder viele Jugendliche eine Freizeitbeschäftigung finden, so dass Jugendliche nicht mehr alleine rumhängen oder in rechtsextremistische und/oder kriminelle Organisationen eintreten. Jugendliche brauchen eine Freizeitbeschäftigung, in der sie auch lernen, andere Menschen zu achten.“ Diese Wünsche sind mir besonders aufgefallen und sie spiegeln den grundsätzlichen Sinn der Wünsche aller, die ich jetzt im Kopf habe, wenn ich an die PfadfinderInnen und ihre Wunschleine denke.

Kathleen Holznagel
(Auszubildende beim Landkreis Nordvorpommern)