Von der Selbstlosigkeit eines einzelnen Menschen, der jede Mühe auf sich nimmt, eine Heimstatt für Viele zu schaffen.

Es war einmal in Glashagen. Der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern hatte die Bünde des DPV eingeladen, an seinem Bundeszentrum ein gemeinsames Pfingstlager durchzuführen. Gemeinsam wurde mit den Planungen zu dem großen Lager begonnen, nach und nach wurden jedoch immer mehr Steine in den Weg gerollt … An dieser Stelle möchte ich euch mit jemandem bekannt machen: Dies ist unser Bauer, von dem wir das Gelände für unsere Kohten und Jurten für das Pfadikratie-Lager hatten: Herr Ruhtz (in vielen Schulungen haben wir ja gelernt, dass es immer ein Bauer ist, von dem wir einen Kohtenplatz erhalten). Herr Ruhtz lebt in Glashagen und leitet im Nachbarort einen Agrarbetrieb, der jede Menge Land zu verwalten und bestellen hat. Quasi alles Land, was um Glashagen, Wittenhagen und Abtshagen außer den Wäldern so vorhanden ist. Und Herr Ruhtz mag die Pfadfinder. Und er findet es toll, wie sie sich um den Erhalt und den Aufbau des alten, in die Jahre gekommenen Gutshauses kümmern.

Da Herr Ruhtz des öfteren zu Gast bei den PfadfinderInnen im Gutshaus war, hat er bei einer dieser Gelegenheiten mitbekommen, dass der DPV zu Pfingsten auch nach Glashagen kommt und er hat gesagt, dass das mit dem Zeltgelände schon klappen wird. Soweit so gut! Doch der ‚böse König‘ zauberte einen großen Stein nach dem anderen auf den Weg nach Glashagen … Da passierte, wovon man nur träumen kann: Unser Bauer schaltete sich ein. Lagerplatz zu klein? Kein Problem, gibt es halt einen größeren; 27 Hektar hatten wir auf einmal zur Verfügung (= 27 x 10.000 qm!) Und da dürfte doch alles drauf möglich sein! Keinen Weg zum Feld? Dann machen wir einen. Habt ihr keinen Traktor, dann kriegt ihr einen von mir. Auch einen Hänger braucht ihr – zwei sind sicher besser (waren sie auch!) Doch das Märchen geht weiter. Einen Abwasserteich müsst ihr bauen. Den mache ich mal besser, dann könnt ihr mir meine Drainage auch nicht beschädigen. Und so kam der Bagger mit dem Baggerführer und baggerte.

Ein Platz für die Abwassertanks auf einem anderen Feld neben der Straße war auch schnell gefunden. So gäbe es noch eine lange Liste weiterer Wohltaten unseres Bauern zu berichten. Aber nicht, dass hier eine oder einer das Falsche denkt: wir haben keinen Cent für die Nutzung zahlen müssen – so gerne hatte Herr Ruhtz die PfadfinderInnen aus Glashagen und nun auch alle vom DPV. Manchmal fragt er sogar nach einigen von uns. Bis heute wird er nicht müde, das Wirken der PfadfinderInnen in Glashagen zu unterstützen, zuletzt damit, dass er sich dafür einsetzte, dass die Straße zum Gutshaus auch geteert wurde und demnächst neben dem Gutshaus ein Gemeindespielplatz gebaut wird. Ein Märchenbauer! Ein Vorbild, wie wir selten jemanden finden. Unser Dank wird ihn immer begleiten. Und wenn er nicht …

Jürgen Simeth
Deutscher Pfadfinderbund Mosaik