"Ideen sind nur Ausgangspunkte. Um zu wissen, was man zeichnen will, muß man zu zeichnen anfangen." (Pablo Picasso)

Sinn entwickelt sich im Tun

Vieles ist möglich im heutigen Gruppenalltag, im Leben unserer Bünde. Damit gehen Chancen aber auch Probleme einher. Will man sich hier als Gruppe nicht nur treiben lassen, sondern selbst das Ruder führen, dann stellen sich Fragen nach dem Wie und Wohin. Aus dieser Erkenntnis erwuchs im Deutschen Pfadfinderbund Mosaik die Idee "Führungs-Forum". Wir wollten einen Rahmen schaffen, in dem die praktisch tätige Führerschaft unseres Verbandes einmal ihre eigene Tätigkeit im Hinblick auf das Ganze zum Thema macht. Hierbei wollten wir einerseits den Reichtum vielfältiger Erfahrung aus unseren Bünden nutzen, andererseits aber auch alles um das eine Thema "Führen" bündeln. Anlaß für die Verwirklichung der Idee "Führungs-Forum" war unser Verbandsgeburtstag im Jahre 1990.
So kamen am 7. September 1990 etwa 250 erwachsene Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus nahezu allen DPV-Bünden und darüber hinaus auf der Freusburg bei Siegen für drei Tage zusammen. Allein dies versprach bewegenden Austausch. Schon die Buntheit des 24-köpfigen Referententeams, unterschiedlichster Herkunft, eine Altersspanne von 25 bis 79 Jahren umfassend, aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen, ließen ein vielfältiges Bild entstehen.
Insgesamt 36 Themen gruppierten sich um folgende Schwerpunkte: Reflexion über Grundlegendes und auf den ersten Blick Selbstverständliches durchzog Seminare und Vorträge des Bereiches "Grundlagen". Pragmatische Überlegungen bildeten einen zweiten Themenschwerpunkt. Da unsere Arbeit sich nicht in einem Naturschutzpark vollzieht, sondern eingebunden ist in geschichtlich-kulturelle Zusammenhänge, griff fast ein Drittel der Vorträge, Seminare und Arbeitsgruppen unterschiedliche Aspekte und Fragestellungen hierzu auf. In dem Bereich "Wie wirkt Führen?" wurden verschiedene, nicht alltägliche Perspektiven zum "Funktionieren" von Führen vorgestellt und gemeinsam behandelt.

Wege, die zusammenführen

Bis zu acht Veranstaltungen fanden immer zeitgleich auf vielen Ebenen der verwinkelten Burganlage statt. Einem Verlieren in den Verästelungen des Themenwaldes wirkte ein mächtig-magischer Knotenpunkt namens "Castle Corner" entgegen. Hier, in einer etwas versteckten Ecke des Burggemäuers, wartete ein Café. Ein kerzenerleuchtetes Gewölbe verführte zum Innehalten und Klönen bei Kaffee und Kuchen oder einem Gläschen Federweißer.
Doch bei aller Vielfalt sollte auch Gemeinschaft spürbar werden. Das übergreifende Ziel des Forums wurde in den Eröffnungsworten mit dem "Erleben einer verbundenen Buntheit" umschrieben. Dies stand auch am Samstagabend im Mittelpunkt, als alle vom Burghof zum "gemeinsamen Weg" in die Nacht aufbrachen. Lustig ging es mit einer Gespensterjagd los, dynamischer belebte sich der dunkle Troß in der großen sich beschleunigenden Menschenspirale, die erst im Umkreisen einer dunklen Gruppe wieder Ruhe fand. Die Führerschaft des PBN setzte in ihrer Performance den beschwerlichen Weg vom Einzelführer zum führenden Team eindrucksvoll in Szene. In einer etwas anderen Drehung griff die anschließende Feuerrede im Burghof dieses Verhältnis auf. Sie stellte die immer wieder aufs Neue zu leistende Vermittlungsnotwendigkeit von Individualität und Kollektivität heraus. Hervorgehoben wurde anhand des 20-jährigen Weges des Deutschen Pfadfinderverbandes und in Verweisen auf historisch-politische Entwicklungen, daß allzu einseitige Betonung des Gemeinschaftsgedankens einerseits wie Selbstbestimmungsüberlegungen andererseits sich von jeher in ihren Übersteigerungen als wenig fruchtbar erwiesen haben.

Weiter-Führung?

Wir sind auf unserem Führungs-Forum Fragen nachgegangen, die wir uns im Alltag in dieser Konsequenz häufig gar nicht stellen.
Zeit und Weggefährten für tiefergehendes Eindringen in das, was wir auf unserem Pfad eigentlich treiben, und wohin wir getrieben werden, sind im aktiven Eingebundensein unserer Tageswerke selten vorhanden. In-Frage-stellen kann den Horizont erweitern; spitzt sich das allerdings zu einem dauernden Vor-der-Tat-bleiben zu, dann wirkt es lähmend. Pragmatisches Handeln wehrt sich gegen Hinterfragen und besticht durch Schnelligkeit; extremisiert kann es sich aber im Kreisverkehr ewiggleicher Hohlformen erschöpfen. Nicht nur nach Rom, auch zur Langeweile führen also viele Wege. Die Tage auf der Freusburg wollten und konnten nur Anstoß und Anreiz für die jeweils "andere Seite" sein.
Im neuen Tun kann sich neues Sehen entwickeln, das sich dann wieder in konkreten Taten bewähren muß. Das braucht Zeit. Ist hier etwas in Bewegung geraten, dann drängt es auf Weiter-Führung. Ob letztlich etwas weiterlebt oder versandet, das entscheidet jeder von uns selbst in seiner alltäglichen, praktischen Arbeit. Denn: Sinn entwickelt sich im Tun.