Traditionell feiern alle Pfadfinder der Welt am 23. April den "St. Georgs-Tag" denn St. Georg ist der Schutzheilige der Pfadfinderbewegung. Für den St. Georgs-Tag 1977 kamen die Verantwortlichen in den Bünden des DPV auf die Idee, den Tag durch eine bundesweite gemeinsame Aktion zu begehen. Unter dem Motto "Die Natur kann nicht mehr warten!" sollte vor allem bei den Jungen und Mädchen des Verbandes, aber auch in Bevölkerung und Offentlichkeit eine Bewusstseinsbildung über die Probleme unserer Umwelt erreicht werden.
Schon Ende 1976 begannen die Vorbereitungen. Der Kontakt zu Naturschutz-, Tierschutz- und Umweltschutzverbänden wurde hergestellt. Bald schon sah man auf der Korrespondenz der Bünde, auf Schulheften, Fahrrädern usw. die Aufkleber, die auf die Aktion hinwiesen — eine grüne Hand, weil die Aktion den Namen "Aktion Grüne Hand" erhalten hatte. Damals gab es übrigens "Die Grünen" als Partei noch nicht, denn die parteipolitische Neutralität hätte sonst sicher einen anderen Namen für die Aktion verlangt!
Die Aktion fand grossen Anklang in den Gruppen des DPV. Sogar Gruppen anderer Verbände, Schulklassen und viele Freiwillige boten ihre Hilfe bei den örtlichen Unternehmungen an. Bürgermeister wirkten als Schirmherren der Aktion in den einzelnen Orten mit, Industriebetriebe stellten Fahrzeuge und gaben Spenden.
Bereits am Morgen des 23. 4. 1977 waren allein 15.000 Jungen und Mädchen aus den Bünden des DPV unterwegs. Die meisten arbeiteten gemeinsam mit den Förstern in Wäldern. Es wurden über 1000 Kubikmeter Müll abtransportiert und über 20.000 Bäume gepflanzt. Bei Bayreuth wurden Vogelfutterplätze eingerichtet. In Schwalmtal begann eine längerfristige Aktion, bei der 250 Ameisenhaufen angelegt und betreut wurden. In Brühl wurde ein Waldlehrpfad eingerichtet, im Ampermoos bei München eine Biotop-Kartierung durchgeführt.
Aber auch in den Städten lief die Aktion Grüne Hand erfolgreich. So gab es in Köln 18 lnformationsstände und in Hamburg eine Befragungsaktion bei der Bevölkerung sowie bei Firmen und Behörden. Es zeigte sich dabei u. a., dass zwei Drittel der Befragten zu einem einschneidenden Verzicht im persönlichen Bereich bereit waren, wenn dies der Verbesserung der Umweltsituation gedient hätte.
Diese wenigen Beispiele zeigen, wie vielfältig die Aktion insgesamt war. Am späten Nachmittag des Tages liefen dann in der Zentrale in Hamburg telefonisch die Erfolgsberichte der Gruppen aus allen Städten zusammen. Von Hamburg aus ging der zusammengefasste Bericht an die Presseagenturen. Rundfunk, Fernsehen und viele Zeitungen berichteten von der Aktion. Nur zur Pressekonferenz gegen Abend kam kein Journalist — Sonntagabend ist das Thema "Umwelt" wohl nicht interessant genug. Dabei hätten die Journalisten z. B. schon 1977 u. a. das erfahren können, was dann durch den "Stolzenberg-Skandal" in aller Munde war: die fehlende Koordination der Umweltbehörden in Hamburg. Genau das war das Ergebnis unserer Befragungsaktion in Hamburg! Insgesamt war die Aktion Grüne Hand aber sehr erfolgreich. Bei der zunächst für einen Tag geplanten Aktion wurde das Thema von vielen Gruppen als brennend erkannt. So entstanden Patenschaften für Waldgebiete. Vielen Förstern wurde bewusst, dass Pfadfinder den Wald nicht nur als Zeltplatz benutzen, sondern auch etwas für ihn tun möchten. Und weil die Aktion so erfolgreich war, werden sicher ähnlich wichtige Themen die Gruppen in den folgenden Jahren zu weiteren gemeinsamen Aktionen vereinen.

Wolf-Rainer Dix