2292 kamen... Pfingstlager 1974 des DPV bei Schmidtheim in der Eifel.

Eifellager_1974-300x251Um es gleich vorweg zu sagen: Das grosse Pfingstlager des Deutschen Pfadfinderverbandes vom 1. bis 3. Juni 1974 bei Schmidtheim in der

Eifel wurde genau der Erfolg, den wir uns gewünscht hatten und den der DPV für seine weitere Entwicklung und Konsolidierung dringend brauchte. Es war ein Lager mit riesigen Dimensionen: Genau 2292 Pfadfinder aus Deutschland waren gekommen. Somit tummelten sich auf der grossen Lagerwiese zwischen 400 Zelten — überwiegend waren Kohten und Jurten aufgebaut worden — weit mehr Jungen, als der Ort Schmidtheim Einwohner hat (dies sind 1200).

Das Lager war in neun Unterlager aufgeteilt, deren jedes eine begrenzte Zahl von Feuerstellen unterhielt, da die Wiese nicht für Hunderte von Feuerstellen aufgegraben werden durfte. Deshalb wurden heisse Getränke und warmes Essen von einer 60 km entfernten Grossküche zentral beschafft. Die Wasserversorgung erfolgte über Tankwagen, an die über lange Feuerwehrschläuche eine Zapf- und Waschstelle mit 60 Wasserhähnen angehängt war. Insgesamt wurden auf dem Lager 140.000 Liter Wasser verbraucht und mussten abgeleitet werden. Drei Toilettenwagen waren aufgestellt worden; der Abfall wurde über die lagereigene Müllabfuhr in 4 grossen Müllcontainern gesammelt. Es gab Strom für die Sanitätsversorgung und die zentrale Verwaltung. Drei Ärzte und Helfer vom DRK und den Johannitern mit zwei Rettungswagen standen im Lager bereit. Der Lagerbeitrag von 15 DM pro Teilnehmer, der zunächst sehr hoch schien, erwies sich angesichts all dessen, was notwendigerweise für das Lager aufgewendet werden musste, als durchaus angemessen.
Es gab auf diesem Lager so gut wie keine Pannen. Wenn mal etwas nicht völlig reibungslos klappte, wurde in solchem Fall eigentlich nur deutlich, was es alles gab, das ernsthaft hätte schiefgehen können. Möglich wurde all dies dank der vorzüglichen Vorbereitung durch Udo Wrede, den "Westmärker" aus der Landesmark Rheinland und sein Team. Udo war es, der während des Lagers wie ein Fels in der Brandung stand, nie die Ruhe verlor (wenigstens äusserlich) und jederzeit für jeden zu sprechen war. Er "schmiss" das Lager wie ein Profi!
Das Motto des Eifellagers hiess schlicht: "Kennenlernen". Wir vom PBN waren voller Skepsis nach Schmidtheim gefahren. Würde das, was wir kennenlernen sollten, den grossen Aufwand und das finanzielle Opfer, welches wir von jedem Jungen fordern mussten, rechtfertigen? Immerhin hatten viele vom PBN sich die 60 DM für diese Fahrt von nur 4 Tagen Dauer extra verdienen müssen! Eine Enttäuschung wäre schlimm gewesen. Aber es gab keine Enttäuschung, im Gegenteil: begünstigt durch das Wetter, das uns genau von Lagerbeginn bis Lagerende strahlenden Sonnenschein bescherte, hatten wir Gelegenheit, festzustellen, dass im Deutschen Pfadfinderverband mehr Leute sind, mit denen man vernünftig verkehren kann, als wir das bisher angenommen hatten. Das gilt vor allem auch für die Westmärker! Es fällt bestimmt jedem einzelnen von uns jetzt viel leichter als vor dem Eifellager, sich zu unserem Dachverband zu bekennen.
Der Wahlspruch des Lagers: "Kennenlernen" hatte natürlich eine Kehrseite, die hiess: "Selbstdarstellung". Unser Bund hatte sich auf diese Selbstdarstellung bewusst vorbereitet. Nicht, dass wir die Absicht gehabt hätten, den anderen Bruderbünden im Dachverband ein Trugbild des PBN vorzugaukeln; unser Bund wollte sich so darstellen wie ein Bund, der weiss, dass kritische Augen ihn unter die Lupe nehmen. Diese kritischen Augen würden da sein, das wussten wir sicher, und diesen kritischen Augen sollte auch etwas geboten werden. So enthielt das PBN-Lager ausschliesslich Kohten und Jurten, die — so gut, wie die Gruppen es geschafft hatten — geschmückt waren: durch Kohtenwimpel, Bemalung oder eingezogene Kohtenfriese. Zentrum des PBN-Lagers und gleichzeitig markantestes Bauwerk des ganzen Pfingstlagers war die grosse "Kaaba", das Kaffee-Haus: eine Jurte, deren Seitenwände durch zwei übereinander geknöpfte Reihen von Viereckszeltbahnen gebildet wurden und die deshalb doppelt so hoch war wie eine normale Jurte. In der Kaaba gab es Kaffee, türkischen Mocca und Tee im Dauerausschank. Hier "traf man sich". Nebenan, ebenfalls in einer Jurte untergebracht, war die Kuchenbäckerei. Auf der anderen Seite der Kaaba stand die Ausstellungsjurte: hier hatte der Bund einen Querschnitt durch die Werkarbeiten der Gruppen unter dem Thema "Gebrauchs- und Schmuckgegenstände für Fahrt und Heim" ausgestellt. Kohtenleuchter und -friese, Wandteppiche, selbstgefertigte Trinkgefässe und Musikinstrumente und vieles mehr gaben einen Eindruck von dem, was in den Gruppen entstanden war und was man "Kulturerzeugnisse von Fahrtengruppen" nennen sollte. Zur Selbstdarstellung des Bundes sollten auch Leistungen gehören, die die von den Stämmen aufgestellten Mannschaften in den zahlreichen Wettbewerben für den PBN erbrachten. Es gab nur wenige Wettbewerbe, an denen der Bund sich nicht beteiligte, und wohl kaum einen, in dem nicht wenigstens eine PBN-Sippe unter den drei besten bei der Preisverteilung zu finden war. Der wichtigste Wettkampf unter Pfadfindern ist seit eh und je der Pfadfinderlauf: auf ihm gilt es, das pfadfinderische Können einer ganzen Gruppe unter Beweis zu stellen. dass die "Raubkatzen"-Sippe den ersten Platz im Pfadfinderlauf für den PBN holen konnte, erfüllte uns alle mit Stolz und Befriedigung.
 
Ein so gewaltiges Lager wie dieses Eifellager bedarf einer gründlichen Nachbereitung in den Gruppen. Dies wissend, hatte der PBN sich entschlossen, nicht unmittelbar im Anschluss an das Pfingstlager die Heimfahrt anzutreten. Ehe die Gruppen auseinandergingen, sollten sie noch einen Abend sowie eine Nacht für sich haben, um die herrliche Eifellandschaft zu geniessen und ein bisschen Abstand vom Lager zu gewinnen. Diesem Zweck diente die Wanderung der PBN-Gruppen von Schmidtheim nach Kall und die Nacht irgendwo allein im Wald in der Kohte oder bei einem Bauern in der Scheune. So fanden die Gruppen, die aufgegangen waren im Wirbel eines grossen Lagers, sich wieder.
Am nächsten Vormittag nahmen die fünf Busse sie auf und brachten sie wohlbehalten nach Hause.


Pfadfinderbund Nord